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		<title>sciere/cognoscere</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Sep 2011 21:39:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walking in my town with Knopfler]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt viele Helme, auch Maschinengewehre sind zahlreich ausgestellt, Haubitzen stehen auf dem Hof und vor dem Museum, in den Räumen findet man Munition, Handfeuerwaffen oder auch Granatwerfer, selbst kleine Raketen stehen im und eine dazugehörige Abschussvorrichtung auf dem Lastwagen &#8230; <a href="http://santjago.de/2011/09/27/scierecognoscere/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt viele Helme, auch Maschinengewehre sind zahlreich ausgestellt, Haubitzen stehen auf dem Hof und vor dem Museum, in den Räumen findet man Munition, Handfeuerwaffen oder auch Granatwerfer, selbst kleine Raketen stehen im und eine dazugehörige Abschussvorrichtung auf dem Lastwagen vor dem ehemaligen kleinen Schloss der Stadt. Auf allen Karpatenpässen wurde hart und bisweilen erbittert gekämpft, zurück geblieben ist Vieles.<br />
Man kennt es, hat alles irgendwo in den Büchern bereits gelesen, man sah die Filme und weiß genau, wie das aussieht, wenn das Geschützrohr der Artillerie durch den Rückstoß des Schusses nach hinten jagt, sieht sogar Schauspieler einen Sprung nach hinten machen, sieht wie und versteht warum sie in Deckung gehen.<br />
Und nun steht man an den Haubitzen, den Kanonen selbst und es erscheint alles selbstverständlich und banal; zwar spektakulär, nicht alltäglich, jedoch dennoch selbstverständlich. Kinder lassen sich auf den Panzern und Geschützen fotografieren.<br />
Im Museum ist man an diesem Tag minutenlang allein in den Ausstellungsräumen, es gibt kaum andere Besucher. Es gibt auch keine Aufseher, viele Exponate stehen und liegen frei und ungesichert. Man könnte problemlos eines der Maschinengewehre in einem der Räume abbauen und in einem anderen wieder aufbauen, man kann Hebel umlegen, den Abzug fassen; man kann es auch bloß als abstrakte Kunst begreifen, man muss überhaupt nichts begreifen, man könnte sogar anvisieren und zielen mit den siebzig, achtzig, neunzig Jahre alten Waffen und es bliebe nicht mehr als ein Spiel. </p>
<p>Bei den Helmen ist es anders. Es gibt viele Helme. In manchen Vitrinen, die eigentlich auf dem Boden stehende Glaskisten sind, stapeln sie sich kniehoch, in der Menge und Masse verliert sich die Gestalt, werden sie zu Schüsseln, zu schwarzen Schüsseln, zu unzähligen schwarzen Schüsseln. Der Verstand meldet sich plötzlich, erklärt, dass zu jeder Schüssel ein Mensch gehöre, aber das kann kaum sein, denn von Menschen ist hier nichts zu sehen, es liegen ja nur diese schwarzen Schüsseln – ohne Menschen – in den Vitrinen, würde beides miteinander irgendwie verbunden sein, lägen diese Schüsseln ja nicht allein. </p>
<p>Wenn man einzelne Wörter beständig wiederholt und hinterfragt, lösen sie sich als Sinneinheit plötzlich auf, man würde nichts mehr darauf verwetten, dass es sich um ein Wort der bereits als Kleinkind erlernten Sprache handelt, das man vor Jahrzehnten gelernt und seither beständig gebraucht hat, auf einmal klingt es wie eine eigene, launenhafte Erfindung aus beliebig zusammengesetzten Buchstaben: Je öfter man es wiederholt, umso unwirklicher, unmöglicher wird es, und so werden auch die Helme in ihrer Unzahl zu schwarzen Behältern, Gefäßen, zu nichts anderem als schwarzen Schüsseln; und selbst das erscheint noch zweifelhaft.<br />
Überhaupt: Schüsseln. Schüsseln, das klingt fast wie Schüsse. Schüssel, Schüsseln, dieses Wort kann doch kaum existieren, oder leitet es sich etwa vom Schuss, vom Schießen ab? Der Schuss, die Schüssel, des Schusses, den Schüsseln, die Schüsse, die Schüssel, dieses Wort, diese Wörter kann es einfach nicht geben!<br />
Dennoch: Unmengen an schwarzen Töpfen, nicht einmal Töpfen, denn Töpfe sind es auch nicht – überhaupt, Topf, was ein Wort! –, es sind gewölbte Metallstücke, nicht gegossen, sondern gebogen, vielleicht doch Schüsseln, die auf- und nebeneinander liegen wie im Moment nicht benötigtes Essgeschirr; vielleicht aus der Feldküche, man weiß es nicht, weil man nichts mehr weiß. Aber es gibt sie zu zahlreich, der Verstand hofft darauf und pocht darauf, bleibt stur und beharrt: Zu jeder Schüssel, erklärt er beharrlich, gehört ein Mensch.<br />
Aber, wendet man ein, wo ist dann der Mensch? </p>
<p>Manche dieser schwarzen Schüsseln besitzen große Löcher mit merkwürdigen, abstrakten Formen, wie verwittert, als wenn sie über Monate – wenn nicht Jahre – in oder auf der Erde gelegen hätten, und an der Unterseite – dort wo das Wasser (die Suppe in den Schüsseln) sich nach jedem Regenguss sammelte – rosteten sie und über Monate und Jahre entstanden Löcher wie manche Stausee-Silhouette aus großer Höhe betrachtet aussieht: Mal länglich, mal sternförmig, aber immer mit gezacktem, unregelmäßigem Rand; die Kanten scharf, fast wie Sägeblätter. Man kann sich nicht erklären, wie diese Löcher entstanden sind, aber man kennt die Metallpfeiler oder Stahlwände, die – etwa als Wellenbrecher – im Meer stehen, und deren Kanten von Wind, Wasser und Salz ebenso abgeschliffen und abgenagt werden; und so erscheint eine Erklärung, die von der Verwitterung der schwarzen Schüsseln ausgeht, am plausibelsten, und man ist froh, dass man diese Erklärung gefunden hat. Sie ist einfach und liegt auf der Hand, vor allem: Es sind ja nur schwarze Schüsseln!<br />
Dann gibt es andere Beschädigungen, Deformationen, die jedoch immer noch nichts bedeuten müssen, harmlos sein können. Küchengeschirr ohne Dellen und Beulen, das heißt: nie benutzt.<br />
Dann kleine, runde Löcher, keine messerscharfe Kante mehr, dafür erbsengroß und rund. Dann eine zweite Schüssel mit zwei Löchern: Auf der rechten Seite wieder ein rundes, kleines, erbsengroßes, tief liegendes Loch. Das zweite, auf der linken Seite, ist nicht viel größer, aber es liegt höher und ist nicht mehr gleichmäßig rund, sondern sieht aus wie auf wenig breiterer Fläche aufgedrückt, wie nach außen aufgeplatzt: Der Austritt, ein Durchschuss, es ist mehr als wahrscheinlich, dass er das nicht überlebt haben wird, und plötzlich hat man den Menschen gefunden.</p>
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		<title>Armeen</title>
		<link>http://santjago.de/2009/01/11/armeen-uber-den-krieg/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Jan 2009 01:17:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walking under blue sky]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist Winter, vor den Fenstern Schnee auf Bäumen und Straßen, weswegen man jeden Versuch unversucht gelassen hat, aus dem Haus zu gehen. Und so liegt man noch im Bett unter der Decke, die man sonst längst verlassen hätte, und &#8230; <a href="http://santjago.de/2009/01/11/armeen-uber-den-krieg/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist Winter, vor den Fenstern Schnee auf Bäumen und Straßen, weswegen man jeden Versuch unversucht gelassen hat, aus dem Haus zu gehen. Und so liegt man noch im Bett unter der Decke, die man sonst längst verlassen hätte, und sieht, was man sonst nie gesehen hätte: Auf der weißen Stoffdecke, auf dem Deckengebirge, einem langen Bergrücken mit breitem Grat, ziehen zwei Armeen aufeinander zu. Die weiße Decke, das heißt Schnee, natürlich, es liegt ja Schnee, innen wie außen.<br />
Die Armeen halten, Infanterie, an der Spitze jeweils drei Reiter, jeweils zwei von ihnen mit Fahnen, und auf beiden Seiten wehen sowohl ein schwarzer und ein weißer Banner, direkt vor meinen Augen und doch winzig klein. Und ich liege verwirrt, kann mir nicht erklären, warum zwei Armeen dieselben Banner und Fahnen tragen, doch nun hört man Trompeten. Man schweigt, sieht zu, die Schlacht scheint zu beginnen, alles stürmt, schon scheinen erste, kleine Soldaten zu liegen, erste Flecken Schnee verfärben sich rot. Von rechts kommt nun Verstärkung: Türme, Holztürme, rollende kleine Festungen, Holzgerüste, Holzwände, oben und an der Seite Tuch: Die rechten scheinen nun überlegen, jedoch schon in dem Moment, da man diese Einschätzung getroffen hat, kommt auch der linken Armee von linker Seite Verstärkung zu, wenn es auch keine Türme sind: Kleine Arme heben Bögen, schießen Pfeile, die brennen, und so fangen die Türme nun Feuer, so schlagen anfangs noch winzige Flammen an den Holzgerüsten empor, und wie die Türme so brennt nun auch der Schnee, denn natürlich ist das kein echter Schnee, das ist doch meine verdammte Decke, und die Flamme breitet sich schnell kreisförmig aus, und das Bett, der Vorhang vor dem Fenster vor dem echten Schnee: alles brennt. Und ich springe aus dem Bett, aus dem Zimmer, greife mir Hose und Hemd, reiße die Türe auf und stürze aus dem Haus, just bevor der nun schlagartig ins Haus strömende Sauerstoff hinter mir eine Explosion verursacht, in der die Fenster bersten, Stichflammen aus jeder Öffnung des Hauses schlagen und schon stürzt das Dach langsam, von der Mitte ausgehend, ein.</p>
<p>Ich wohne auf dem Land, mein Haus steht – stand! – frei, daneben als einzige Begleitung eine große Kastanie, die Auffahrt ist eine Pappelallee. Ich wende mich Richtung Stadt, wenn ich schnell bin, sind das zwei Stunden zu Fuß, gehe also die Auffahrt durch die Bäume hinauf auf die Felder zu, sehe vor mir die Hügel, in denen ich einst wohnte, und sie sind weiß, denn es liegt ja Schnee. Und ich kann bereits erkennen, dass dort, auf den Hügeln, zwei Armeen aufeinander zu ziehen: Dutzende, wenn nicht hunderte Fußsoldaten, an der Spitze jeweils drei Reiter, jeweils zwei von ihnen mit Fahnen, und auf beiden Seiten wehen sowohl ein schwarzer und ein weißer Banner. Sie halten nicht, sie reden nicht, die Schlacht beginnt, und links von mir, rechts von mir, schlagen schlecht gezielte, brennende Pfeile ein. Wirklich äußerst schlecht gezielte Pfeile, wenn man bedenkt, wo ich stehe. Oder zielt man gar auf mich?</p>
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		<title>Zamek w Krasiczynie</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Jan 2009 11:06:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walking under blue sky]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Renaissance-Schloss nahe Przemyśl. Die Rotarmisten haben vor siebzig Jahren auch in der Krypta ihr Unwesen getrieben, auch dort alles zerschlagen, die Sarkophage aus den Grabstätten geholt, den Inhalt mitsamt den Leichnamen in der Krypta ausgeleert, die leeren Sarkophage in &#8230; <a href="http://santjago.de/2009/01/10/zamek-w-krasiczynie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Renaissance-Schloss nahe Przemyśl. Die Rotarmisten haben vor siebzig Jahren auch in der Krypta ihr Unwesen getrieben, auch dort alles zerschlagen, die Sarkophage aus den Grabstätten geholt, den Inhalt mitsamt den Leichnamen in der Krypta ausgeleert, die leeren Sarkophage in den Innenhof des Schlosses getragen und sich dort Duschen gebaut, mit den Sarkophag-Hälften als Wasserbehälter, deren Inhalt sich auf den Zug an einer Kordel oder einem Seil hin langsam entleerte.</p>
<p>Man hat vieles renoviert, manches restauriert, das Äußere des Schlosses ist wiederhergestellt, und so steht man auf dem Hof und stellt sich die Gestelle, die Konstruktionen der Soldaten vor, oben auf die mit Wasser gefüllten Sarkophage. Man sieht die russischen Offiziere, wie sie kurz aus den Fenstern auf das Treiben im Hof schauen.<br />
Zuvor hatten sie auch die damals moderne Heizung des Schlosses und die damit verbundenen Installationen zerstört, sie schliefen auf Gras- und Heuhaufen in den Räumen, dessen Inventar aus den Fenstern geworfen wurde, und bauten sich dennoch mehr oder minder raffinierte Duschen im Hof. Und nun steht man sechzig, siebzig Jahre später am selben Ort und fragt sich, ob das nun widersprüchlich ist.<br />
Alles Alte, alles Errungene einzureißen und auf vergleichsweise primitive Weise das Zerstörte neu zu erfinden: Eigentlich erging es Rom auch nicht viel anders.<br />
Auch dieses Schloss hat seinen tragischen Toten, vielmehr seine tragische Tote, die zur Spukgeschichte und Legendenbildung taugt: Die sechzehn Jahre alte Tochter stürzte sich einst aus Unglück über ihre arrangierte Heirat von einem der vier Türme, würde sie als weiße Frau über den Hof laufen, würde sie vor den weißen Mauern wahrscheinlich nicht weiter auffallen.<br />
Keine neunzig Jahre später wurde auch die Marmorplatte zu ihrem Sarkophag und dem eines ihrer Geschwister, das noch sehr viel jünger starb – von den acht Kindern dieser Familie überlebte nur eines –, in Stücke geschlagen; manche der Grabsteine, hinter denen die Sarkophage ruhten – schwarze Marmorplatten mit gelber Schrift – wurden scheinbar in so viele und kleine Stücke zerhauen, dass man in den Rekonstruktionen andere, größere Plattenfragmente (Schiefer?) ersatzweise eingefügt hat.<br />
Überflüssig zu erwähnen: Auch aus der letzten Ruhestätte des unglücklichen Mädchens wurde wenigstens zeitweilig eine Soldatendusche.</p>
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		<title>Präludium: Denkmäler</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 22:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walking in my town with Knopfler]]></category>

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		<description><![CDATA[Sommernacht. Man schläft nicht, weil man es zu leicht nahm, und die Geister der Ideen und Wünsche der Vergangenheit erinnern, dass die Zukunft des Vortages schon wieder fast vorüber ist. Auf dem Friedhof der Ideen stehe ich vor den Grabsteinen &#8230; <a href="http://santjago.de/2009/01/09/praludium-denkmaler/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sommernacht. Man schläft nicht, weil man es zu leicht nahm, und die Geister der Ideen und Wünsche der Vergangenheit erinnern, dass die Zukunft des Vortages schon wieder fast vorüber ist.<br />
Auf dem Friedhof der Ideen stehe ich vor den Grabsteinen und es herrscht Chaos, die Gräber sind leer, stehen offen und zerwühlt, denn ihre Bewohner wandern und rennen und lachen und höhnen des Nachts über die Wiesen und die Straßen, rufen und rufen: Hättest Du, hättest Du! Und sie rufen: Hättest Du, hättest Du, die Welt wäre Dir untertan!<br />
Diesen Ideen ein Denkmal, dunkle, mahnende Denkmäler; was hätten wir, wenn jeder nur wirklich wollte.</p>
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